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1. August 2013 – Denken Sie mal über Ihren eigenen “Bank Run” nach

(Dubai, 29.07.2013) Im Euroraum gibt es 6.400 Banken. Der Anteil von Großbanken wächst hierbei unaufhörlich durch Fusionen und Aufkäufe, weil es heutzutage wichtig für eine Bank ist, als "too big to fail" oder auch "systemrelevant" eingestuft zu werden. Weil dann springt bei Schieflagen der Staat oder der Steuerzahler in die Bresche.

Better Bank RunUnd die Schieflagen sind a) zahlreich und b) absolut vorprogrammiert. Es wird von Banken auf Teufel komm raus mit dem Geld der eigenen Sparer spekuliert – und die Risiken werden bestmöglich versteckt. Zur Verdeutlichung: Die Gesamtsumme der Verbindlichkeiten aller Banken der Eurozone beläuft sich auf 250% des Brutto-"Inlands"-Produkts der Eurozone.

 

Vielleicht etwas deutlicher: Würden heute alle diese Verbindlichkeiten fällig werden, müssten sämtliche Europäer 2,5 Jahre einzig und alleine für nichts anderes als den Schuldendienst arbeiten.

 

Der bisherige Verlauf der Euro-Finanzkrise hat einiges deutlich gemacht

  • Die Banken haben in den vergangenen Jahren nichts unternommen, um ihre Risiken abzubauen – geschweige denn diese Risiken in irgendeiner Weise transparenter zu machen.
  • Milliardenbeträge – finanziert aus Staatshaushalten und damit aus Steuergeldern – wurden bisher in die maroden Zombie-Banksysteme fast aller EU-Mitgliedsstaaten gepumpt. Stichworte: Irland, Griechenland, Zypern, Portugal, Spanien, Italien, Großbritannien und . . .
  • . . . auch Deutschland ist hier nicht etwa die "Insel der Glückseligen": Der Bankenrettungsfonds SoFFin hat seit November 2008 bislang mit 480 Milliarden € (fast eine halbe Billion!) ausgestattet Hypo Real Estate, BayernLB, HSH Nordbank, Commerzbank AG, Volkswagen Bank, IKB Deutsche Kreditbank, Aareal Bank, WestLB, Corealcredit Bank AG, Düsseldorfer Hypothekenbank, Portigon AG, DZ Bank und HeLaBa aufgefangen. Und das sind nur die über die Medien bekannt gewordenen Fälle! Weitere deutsche Bank-Zombies laufen noch mit ihren geschönten Bilanzen herum oder befinden sich laut Bundesfinanzminister "auf dem Wege" zu Hilfen des SoFFin.
  • Insbesondere der Steuerzahler wird gebetsmühlenartig mit der Mär von "den ja nur auf dem Papier stehenden Bürgschaften" eingelullt und ruhiggestellt. Als wenn Bürgschaften nicht mit Vermögen – heute verniedlicht "Assets" genannt – untersetzt zu sein haben.
  • Mehr und mehr Eurostaaten warten paralysiert wie das Kaninchen vor der Schlange auf den Zeitpunkt Ende September – wenn Frau Dr. Angela Merkel ihre Bundestagswahl in Deutschland durchgezogen hat. Danach, so sind sich immer mehr Beobachter sicher, kommt ordentlich Wasser auf die Mühlen der Banken-(Staaten)-Rettungsmaßnahmen. Damit verbunden Geldbedarf, in rauen Mengen!

 

Die neuen Krisenvorschriften der EU-Kommission für Banken

"Der Steuerzahler" droht hierbei zunehmend, aufzumucken. Oder sogar schlicht überfordert zu werden. Daher gilt es, ihn zumindest partiell zu schützen. Die EU-Kommission hat im Juli still und heimlich eine kleine Verordnung erlassen, die bei zukünftigen "Bankenrettungen" jeden einzelnen Bankkunden treffen wird. Sie tritt am 1. August 2013 in Kraft und bedarf keinerlei Zustimmung der nationalen Parlamente!

eu-flag-newDer Originalton:
Banken mit einer ausgewiesenen Kapitallücke müssen dafür sorgen, dass Anteilseigner wie auch Inhaber nachrangiger Schuldtitel einen angemessenen Beitrag zur Deckung des Kapitalbedarfs leisten, bevor sie staatliche Rekapitalisierungen oder Maßnahmen zum Schutz ihrer wertgeminderten Vermögenswerte in Anspruch nehmen können. Auf diese Weise werden gleiche Wettbewerbsbedingungen für ähnliche Banken mit Sitz in verschiedenen Mitgliedstaaten geschaffen und der Fragmentierung des Finanzmarkts vorgebeugt. Ausnahmen sind möglich, wenn die Finanzstabilität auf dem Spiel steht oder wenn eine Bank bereits einen großen Teil des Kapitalbedarfs selbst aufgebracht hat und der Restbetrag, der mit staatlichen Mitteln gedeckt werden soll, im Vergleich zu der Bilanzsumme der betreffenden Bank gering ist.

Im Klartext: Banken, die ihre Kapitallücke nicht länger kaschieren können und stattdessen unter einen wie auch immer gearteten "Schutzschirm" galoppieren wollen, müssen als "Eintrittsgeld" zunächst ihre Kunden – Sparer – und Aktionäre zur Kasse bitten und die so "mobilisierten" Gelder in den Topf für Verhandlungen mit der Bankenaufsicht, der nationalen Regierung und der EU werfen. "Inhaber nachrangiger Schuldtitel" sind hier praktisch alle Bank-Kunden: Die Guthaben auf deren Konten werden bei den Banken als Klein-Kredite geführt. Ausgenommen von der Regel sind die Inhaber vorrangiger Schuldtitel, also alle Bankengläubiger, die ihre Forderungen besichert haben: KfW und EZB zum Beispiel . . .

 

Testlauf Zypern: „Mission Accomplished“

Offensichtlich ist die EU-Regel ganz bewusst schwammig gehalten: Statt strenger Vorschriften zur Beteiligung wird auf die Einführung eines Procedere abgezielt. Diese Prozedur hatte ihren Testlauf in Zypern und nennt sich Stabilitäts-(ZWANGS-)Abgabe!

Zwischen dem bankrotten Euro-Land und seinen EU-Kapitalgebern wurde im März 2013 eine "Zypriotische Stabilitätsabgabe" in Höhe von 9,9% der Kundenguthaben über 100.000 € sowie in Höhe von 6,5% unter 100.000 € vereinbart. Kundenkonten wurden über Nacht eingefroren, Kunden und Sparer zur Entschädigung zu Gratisaktionären der übrig gebliebenen Bank of Cyprus und Hellenic Bank – die Laiki Bank wurde abgewickelt – gemacht.  Seit über drei Monaten ist Zypern durch die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen finanziell abgeriegelt, um Geldflucht zu verhindern.

Sind Kundengelder erst mal eingefroren, hat man Zeit – viel Zeit. Und die kann man z.B. bei der Bank of Cyprus nutzen, um die "Stabilitätsabgabe" auf unglaubliche 47,5% hochzuschrauben!!! Die hierfür notwendige Kundenliquidität hatte man schon im Frühjahr in weiser Voraussicht mit einem einzigartigen "Deal" zwangsumgewandelt und eingefroren: Während 37,5% der Einlagen über 100.000 € flugs in Aktien umgewandelt wurden, hatte man mittels Einfrieren weitere 22,5% "beiseitegelegt". Wer rechnen kann, merkt: Das sind satte 60% - die jetzt kolportierten 47,5% dürften also noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein.

 

Was tun?

Ein Horrorszenario, weit weg von Mitteleuropa am Rande des Mittelmeers? Wer das glaubt, möge weiter vor sich hindösen und alle Anzeichen einer Europaweiten Bankenkrise ignorieren. Aber in Deutschland ist ja die Welt in Ordnung – schon 2008 versprachen Bundeskanzlerin Merkel und ihr damaliger Finanzminister Steinbrück öffentlich "Die Einlagen sind sicher!"

Angela Merkel und Peer Steinbrück

 

 

 

 

 

 


Komisch, Jahre zuvor - versprach da nicht auch mal ein Norbert Blüm "Die Renten sind si(s)cher!"?

Dies wurde alleine dieses Jahr bereits mehrere Male vom Regierungssprecher bekräftigt. In unseren Zeiten sollte man immer auf der Hut sein, wenn "vollstes Vertrauen" oder auch die Sicherheit von Was-auch-immer versichert werden und sich stattdessen fragen, warum es solcher Zusicherungen bedarf.

In Deutschland, wie in allen anderen Euroländern, hat ein "Prädikats-Wettlauf" eingesetzt: Nur das "Too big to fail" kann retten. Deshalb hat ein radikaler Konsolidierungskurs eingesetzt: Es soll weniger Banken in Europa geben, die sollen größer und natürlich systemrelevant sein. Denn angesichts der gigantischen Risiken können weder die Staaten die Banken noch die Banken sich selbst retten. Trotz guter Eigenkapitalquoten sind die deutschen Banken alles andere als sicher. Die großen Geschäftsbanken berechnen ihre Risiken selbst. Bei den Sparkassen weiß niemand, welche Gefahren noch bei den Landesbanken lauern.

Also werden auch und gerade in Deutschland Bankkunden, Sparer, und Kleinanleger mit ins Boot gezogen. Man erinnere sich auch an die im März und April 2013 erfolgte Neudefinition des Sparers als "Investor einer Bank", der sich selber um die Risikoeinschätzung zu kümmern habe – so die offizielle Lesart der Bundesregierung. Angesichts der Niedrig-bis-Null Zinsen für Einlagen eigentlich eine Frechheit.

Bank RunIm Unterschied zum Steuerzahler, der nur unter enormen Mühen den Staat wechseln kann, hat der Bankkunde und Sparer jetzt gleich zwei Vorteile:

  • Er kann die Bank wechseln, wobei er sich mit Blick auf EU-Legislation nun eindeutig außerhalb des Euroraums orientieren sollte.
     
  • Er weiß "dank" dieser EU-Verordnung spätestens jetzt, dass er ab dem 1. August 2013 höllisch auf der Hut sein muss, nicht enteignet zu werden. Dieses Risiko ist nun dramatisch angestiegen.

Sicher – keine gute Nachricht. Aber wenigstens eine, auf die man reagieren kann. Selbst wer keine Kontakte zu Banken im Ausland hat und stattdessen seine Ersparnisse in die heimische Matratze einnäht oder im Keller einbetoniert, verschlechtert nicht einmal seine Kapitalerträge – was an sich schon bedenklich stimmt.

Denken Sie also mal über Ihren ganz eigenen "Bank Run" nach.
Am besten noch vor dem Wochenende!
Denn, so Wolfgang Schäuble im Frühjahr im ZDF: "Bankeinlagen sind eine sensible Sache, daher macht man es am Wochenende!"

Wolfgang Schäuble

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist immer besser, viel zu früh zu agieren – als auch nur einen Tag zu spät zu reagieren.

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