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Dt. Generalkonsulat Dubai – Vormittags im Kasperletheater

(Dubai, 30.10.2012) Eine kleine Anekdote aus der Welt der deutschen Generalkonsulate.

Prolog: Ich lasse nunmehr seit 6 oder 7 Jahren regelmäßig so um die 10 Unterschriftsbeglaubigungen pro Jahr im Deutschen Generalkonsulat Dubai vornehmen. Unter Vollmachten, Verträge und Handelsregisteranmeldungen (die dann von Notaren in Deutschland, Österreich und Schweiz exekutiert werden). Alles kein Problem, selbst auf der Konsularhilfe-Webseite des Auswärtigen Amtes wird nämlich gemäß Konsulargesetz (§ 10 KG) zwischen einer BEURKUNDUNG und der schlichten UNTERSCHRIFTSBEGLAUBIGUNG durch den Konsularbeamten fein und säuberlich unterschieden. Vereinfacht ausgedrückt: Ich kann auf ein Blatt Papier den größten Schwachsinn des Jahrhunderts schreiben - und lasse dann eben lediglich meine Unterschrift darunter beglaubigen. "It's that easy".

Diese fein säuberliche Unterscheidung war auch dem bis Ende 2011 in Dubai tätigen Leiter des Konsularwesens absolut geläufig – dementsprechend "smooth" gingen die Beglaubigungen von (lediglich) Unterschriften von Statten. Leider, leider wurde dieser Konsularbeamte wegen des Verscherbelns deutscher Aufenthaltserlaubnisse an Afghanis letztes Jahr geschasst . . . seitdem hat sich niemand Neues im Generalkonsulat gefunden, dem die hinreichend vom Auswärtigen Amt auskommentierten Regelungen über Beurkundung und Beglaubigung auch nur im Ansatz geläufig sind.

Will heißen: Seit Anfang 2012 sind Unterschriftsbeglaubigungen im Deutschen Generalkonsulat Dubai ein Lottospiel – oder besser formuliert ein ausgemachtes Kasperletheater. Mal musste ich bei der Unterschriftsbeglaubigung einer HR-Anmeldung die schriftliche Bestätigung des exekutierenden Notars beibringen. Mal wurden die Schriftstücke, bei denen lediglich wie gesagt die Echtheit meiner Unterschrift zu bestätigen war, zur vorherigen Prüfung angefordert. Mal ging es gar nicht, weil schlicht keiner da war, der sich auskannte: Eine Zeit lang wurde die Konsularabteilung kommissarisch von der Kulturreferentin geleitet – die am liebsten wohl alles bevorzugt mit Guido Westerwelle selbst abgestimmt hätte: ob sie kann, darf, soll, muss – was auch immer. Und wenn es dann mal mit Ach und Krach ging, zog sich das über 2 bis 3 Tage hin: Die Herrschaften der Konsulats-Führungsebene sind seit Anfang 2012 und während der sowieso mickrigen Publikumszeiten von 8 bis 11 Uhr nämlich grundsätzlich immer in internen Meetings. Ich glaube ja langsam, die machen keine Meetings, sondern interne Schulungen über das Konsulargesetz.

 

Heute Vormittag – ich saß brav mit meinem "Wartemärkchen B" die übliche ¾ Stunde vor dem "Counter for German Nationals" mit meinen drei verschiedenen Dokumenten (man sammelt immer, wenn man genug Konsulatserfahrung hat) war auch wieder so ein Meeting-Tag, einhergehend mit der Weigerung, die Unterschriften unter eine familienrechtliche Vereinbarung zu beglaubigen. Wohl gemerkt: BEGLAUBIGUNG, nicht BEURKUNDUNG. "Nein, das muss beurkundet werden (Anm.: Was nicht stimmt) und das kann nur der Generalkonsul. Und der hat in frühestens 2 Monaten einen Termin frei." Aha!

Gut, dann halt die beiden anderen Vorgänge – trivialer Natur: Eine Unterschriftsbeglaubigung unter einer Vollmacht von Person A (ich) an Person B sowie die Beglaubigung meiner Unterschrift unter einem normalen Geschäftsbrief an ein deutsches Amtsgericht. Owei, owei – "Muss ich klären, ob wir das dürfen und alle Herrschaften sind im Meeting, Bitte Pass und Dokumente dalassen – ich rufe an."

Da konnte ich mir – zänkisch wie ich manchmal eben bin – doch wirklich nicht die Frage verkneifen, ob es sich hier denn immer noch um das Deutsche Generalkonsulat Dubai oder eine Pommesbude handele. Nun ergeht es mir schon seit Monaten immer wieder bei meinen Besuchen und diversen Beschwerden am Schalter – und hierbei muss ich für die Damen am Schalter echt eine Lanze brechen: die sind nett, zuvorkommend und leider ebenso hilflos wie die "Kunden", die sie zu verarzten haben – dass eben diese mich ausdrücklich leicht flehend bitten, ich möge mich doch beim Konsul oder beim Auswärtigen Amt beschweren. Das normale Personal im Konsulat ist also ebenso bedient von diesen absolut desolaten Zuständen dort – sei es personelle Unterbesetzung, ständige Fluktuation (nicht an den Schaltern, aber in der "Führungsebene") wie die "Kunden". Ganz zu schweigen vom Fremdschämeffekt, wenn man mitbekommt, wie Antragsteller für Business- oder Touristen-Visa im Konsulat "abgerotzt" werden – egal ob Emiratis, Subkontinentler, Asiaten . . .

Prompt wurde mein Vergleich mit der Pommesbude als „Kundenfeedback“ an den stellvertretenden Generalkonsul, Jörg Herrera, weitergegeben. Dieser reagierte im hiernach erfolgenden Anruf bei mir aber dermaßen klassisch wie der getretene Hund, der anfängt zu bellen. Natürlich vordergründig zum Schutze der armen Mitarbeiter an den Schaltern, die sich so was anhören müssen (Anm.: die aber komischerweise vollstes Verständnis für den Ärger ihrer "Kunden" zeigen, beim einen oder anderen Vergleich selbst das Lachen nicht verkneifen können, es gar nicht auf sich selbst beziehen – und ja wie beschrieben sogar förmlich um offizielle Beschwerden betteln . . .). Im Ergebnis habe ich jetzt natürlich beim Konsulats-Türsteher Herrera "verschissen": "Ich beglaubige IHNEN da gar nix mehr. Sie haben ja meinen Namen und können sich gerne beim Auswärtigen Amt über mich beschweren, das ist mir egal." (Anm.: Wahrscheinlich ist diese Beschwerde dem Auswärtigen Amt auch sch…egal, aber versuchen werde ich es mal)

Merke: Je weiter ein Konsulat vom obersten Dienstherren entfernt ist, umso komischer werden die i.d.R. verbeamteten Amtsträger solch einer Behörde in der Auslegung ihrer Dienstpflichten. Wahrscheinlich herrscht dort doch noch die typisch-deutsche Obrigkeitsmentalität vor, dass derjenige, der seine Rechte als Bürger in Anspruch nimmt, bitteschön ein dumm-nickender Bittsteller zu sein hat – dem man nach eigenem Gusto Gnade zuteilwerden lassen kann . . . oder auch nicht. Und: Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken, wie immer. Weiter führende Analogien, z.B. wie schon sehr oft gelesen der Vergleich mit DDR-Botschaften und Schlimmerem, will ich mangels Kenntnis nicht vornehmen . . .

Ich bin echt gespannt, was morgen die deutsche Botschaft in Abu Dhabi (auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt) und in den nächsten Tagen das Auswärtige Amt dazu zu sagen hat.

Als Quintessenz bleibt: das Deutsche Generalkonsulat Dubai reiht sich in eine Vielzahl von anderen ein (z.B. Shanghai u.v.a.m.), die für das "Land der Dichter und Denker", den "Exportweltmeister" und das "Weltoffene neue Deutschland" wahrlich KEINE Visitenkarte darstellen. Und das selbst bei Vorgängen, die auf Grund des Urkundspersonen-Prinzips ein Monopol darstellen.

Den Aufwand hat der "Bürger": Ich für meinen Teil versuche es halt jetzt mal mit der Deutschen Botschaft in Abu Dhabi – was eigentlich Wahnsinn ist in Bezug auf Fahrerei und hoffentlich auch nicht zu "Unzuständigkeitsdiskussionen" führen wird.

Dubai, 30.10.2012
Martin Kraeter

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2 Kommentare to “Dt. Generalkonsulat Dubai – Vormittags im Kasperletheater”

  1. Nachtrag zum früheren Leiter der Konsularabteilung, der mich persönlich echt freut! Affäre um verkaufte Visa: Freispruch für Diplomaten Nach der Affäre um verkaufte Visa ist ein Beamter des Auswärtigen Amtes vom Landgericht freigesprochen worden. Der Vorwurf der Bestechlichkeit habe sich nicht bestätigt. Dem 41-Jährigen war vorgeworfen worden, als damaliger Leiter der Konsularabteilung in Dubai in 16 Fällen afghanischen Bürgern Visa für die Einreise nach Deutschland erteilt zu haben, obwohl die Voraussetzungen nicht vorlagen. Pro Visum habe ein Geschäftsmann bis zu 4000 Euro gezahlt. Der Diplomat, der im Mai 2011 festgenommen wurde und knapp vier Monate in Haft saß, hatte die Beschuldigungen stets entschieden zurückgewiesen. K.G. Quelle: Tagesspiegel Berlin

    Posted by Martin Kraeter | 23. November 2012

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